Endlich eine Nachricht aus Bolivien …

16.08.2015

Angekommen in der neuen Heimat? Naja, bisher nur in Sucre im Hostel – erschöpft aber glücklich!

Ich weiß echt nicht, wie viele Kilometer ich in den letzten drei Tagen zurückgelegt habe, nur eins ist mir bewusst: Es waren genug! Unterwegs mit dem Flugzeug, dem Bus, dem Taxi und auch zu Fuß. Aber ich will von vorne anfangen.

Nach zwei schönen Tagen bei meinem Onkel und meiner Tante bei Frankfurt, den letzten gegrillten Würstchen und der letzten leckeren Baiser Torte ging die Reise los.

Mit einem einigermaßen niedrigen Stresspegel kam ich mit meiner Familie am Frankfurter Flughafen an und erspähte meine Mitfreiwilligen schnell am vereinbarten Treffpunkt. Zu unserer aller Freude musste keiner von uns Übergepäck bezahlen – wir wussten nämlich bis zum letzten Moment eigentlich nicht, ob wir 23 oder 46 Kilo mitnehmen durften.

Beim Einchecken war meine größte Sorge wie ich mein Gepäck alleine in Bolivien umherschleppen soll. In Frankfurt hatte ich ja noch die Hilfe von meinen Geschwistern – danke Bella & Philipp, dass ihr mir das Gepäck bis zum Schalter getragen habt!

Dann ging es um 19.35 erstmal mit einem ausgesprochen luxuriösen Flieger der Airline LAN nach Madrid. Dort hatte ich zu meiner großen Freude einen Fensterplatz und konnte schön die Wölkchen und den blauen Himmel fotografieren – die ersten Eindrücke meiner großen Reise nach Bolivien. Nach zweistündigen Warten am Flughafen in Madrid machten wir uns auch schon auf den 12 stündigen Flug nach Lima, Peru bereit. Sehr schön war, dass die meisten von uns auf diesem Flug nebeneinander saßen und jeder seinen eigenen Bildschirm hatte. So musste ich von meinem Platz aus gar nicht selber meinem Bildschirm benutzen, sondern konnte rechts von mir einen Märchenfilm mit Angelina Jolie folgen und rechts vorne Ich- Einfach unverbesserlich, je nachdem, welcher Film gerade spannender war. Das war mir auch ganz recht so, denn mir wurde von einigen Turbulenzen leicht schlecht und somit konnte ich eh keinen Film schauen. Glücklicherweise habe ich aber an die 9 Stunden durchgeschlafen und so landeten wir gegen 6 Uhr morgens in Südamerika. Erster Eindruck: Diesig und kalt. Richtig richtig kalt. Schon im Flugzeug habe ich gefroren und das Fröstelgefühl bin ich dann am Boden auch nicht mehr los geworden.

Am Flughafen in Lima habe ich dann meine ersten spanischen Wörter beim Wasser kaufen gesprochen und die ersten Dollars ausgegeben. Nach einer schier endlosen Wartezeit hat dann endlich der letzte Flieger Richtung Santa Cruz abgehoben, allerdings mit Zwischenlandung in La Paz, dem Regierungssitz Boliviens. Auch hier wieder mit einem Fensterplatz gesegnet, war der Ausblick auf La Paz das schönste was ich je gesehen habe! Am Horizont schneebedeckte Bergketten, blauer Himmel und strahlende Sonne und unter uns diese Stadt, die sich auf einer Höhe von 3200 bis 4100 Metern erstreckt! Der Anblick war wirklich atemberaubend. Wir konnten bei der Zwischenlandung natürlich im Flieger sitzen bleiben und dabei spürten wir das erste Mal, wie kalt es auf so einer Höhe werden kann. Beim durchlüften des Fliegers wehte uns die kalte Luft La Paz` um die Ohren. Wenige Tage davor hatte es dort geschneit.

Dann endlich – die Landung in Santa Cruz. Mehr Starts und Landungen hätte mein Magen auch nicht mehr mitgemacht. Halleluja, das der nächste lange Flug noch ein Jahr entfernt ist!

Vom Flughafen ging es dann mit mega süßen Bussen Richtung Hostel. Das war ein wirklich tolles Gefühl, endlich zu wissen, man ist am Ziel. Der Fahrtwind flatterte uns um die Ohren, die Sonne schien und zum ersten Mal erlebten wir den bolivianischen Verkehr hautnah mit. Zusammenfassend kann man dazu sagen: Jeder macht was er will! Zwischen den Autos laufen Verkäufer und Fensterputzer herum. Als Fußgänger hat man hier den Status von Hunden oder Katzen. Wer zuckt, verliert!

Das Hostel in Santa Cruz, in dem wir die erste Nacht verbrachten, ist wirklich schön. Dort gingen wir dann auch essen in einem Restaurant und lernten einige wirklich nette Menschen von Hostelling Bolivia (meiner Organisation in Bolivien) kennen. Das Problem bestand nur darin, dass die Mehrzahl von uns bereits am Tisch kurz vorm Einschlafen war und so fielen wir kurze Zeit nach dem Essen erschöpft ins Bett.

Somit vergingen der erste Tag und die erste Nacht in meinem neuen Heimatland.

Den nächsten Morgen gab es ein leckeres Frühstück und danach begaben wir uns mit Nasira, einer unserer Ansprechpartnerinnen, in ein Restaurant in der Stadt, wo wir mit Max Steiner, dem Vorsitzenden von Hostelling, einige organisatorische Dinge klärten. Viel Zeit zum entspannen hatten wir nicht, denn dann ging die Reise auch schon weiter nach Sucre, in die Hauptstadt Boliviens. Am Busbahnhof in Santa Cruz schreien die Leute: „Sucre!“, „Cochabamba!“, „La Paz!“, je nachdem wo man hin möchte. Als wir dann in unserem Bus saßen, machte sich Erleichterung breit. Da lag eine 13 stündige Busfahrt vor uns – aber in einem sogenannten „Flota“, wie die Schlafbusse hier in Bolivien heißen, ließ es sich gut aushalten. Ein bisschen muffig vielleicht, aber die Sitze lassen sich komplett in Liegestellung einstellen und die Fenster kann man sehr weit öffnen.

Die Busfahrt war inklusive Pinkelpause um 3.00 Uhr nachts irgendwo im Nirgendwo (aber inklusive dem wunderschönsten Sternenhimmel den ich jemals gesehen habe!), bei der ich kurz Panik hatte, zurückgelassen zu werden, denn gerade hockt man sich hin und will sich erleichtern, da heißt es auch schon vom Busfahrer „Weiter geht´s!“. Weiterhin ganz eigenartigen Träumen im Bus, bei dem ich mir einmal so hundertprozentig sicher war, zu Hause in Mengelrode in meinem großen Bett zu liegen (gottseidank habe ich mir in Deutschland noch einen handlichen Schlafsack gekauft, ohne den wäre es wohl nicht so kuschelig warm im Bus gewesen), dass ich, als ich aufgewacht bin, sichtlich geschockt war, mich in in einem lauten, müffeligen und enorme Berge erklimmendem Bus irgendwo in Bolivien befand! Auf einer Raststätte mit Restaurant wurde unsere Freiwilligen Truppe mit „Todos los gringos!“ begrüßt, was soviel heißt wie „Alles Gringos hier/ so viele Gringos hier!“ ( Gringo/a bezeichnet englischsprachige Ausländer, besonders aus den USA, und wird hauptsächlich in spanischsprechenden Ländern benutzt.)

Mit dem Sonnenaufgang kamen wir heute Morgen in Sucre an und hatten noch einigen Spaß bei der Gepäckausgabe mit den Busfahrern. Alle Rücksäcke und Koffer verstaubt, einer sogar kaputt gerissen. Meine beiden Gepäckstücke sind glücklicherweise ganz geblieben, nur habe ich die Schützhülle für meinen Backpacker Rucksack wohl im Hostel in Santa Cruz vergessen. Hier in Boliviens Hauptstadt ist es verhältnismäßig kalt und ich freue mich jetzt einfach darauf, nächste Woche nach Puerto Quijarro rauszufahren, wo es warm ist und wir endlich unsere Sachen ausbreiten können und unser Gepäck nicht mehr von A nach B schleppen zu müssen.

Nachher geht es zu einer kleinen Stadttour durch Sucre – ich bin gespannt auf die Stadt!

Hasta luego

18.08.2015

Da ich hier in Sucre im Hostel nicht mit meinem Laptop ins W-Lan hereinkomme, kommt hier jetzt nochmal die Aktualisierung der letzten beiden Tage. Es tut mir sehr Leid, eigentlich wollte ich schon viel eher hier auf meinem Blog schreiben, aber es klappt einfach nicht mit dem Internet. Auf jeden Fall waren wir gestern und heute in der Stadt wegen unserer Visumbeantragung. Wir laufen von einem Amt auf das nächste und da das Zeitverständnis der Bolivianer ein komplett anderes ist, wartet man da schon einmal zwei Stunden! Nun gut, ich hoffe, ich lege mir diese Gelassenheit auch noch zu.

Den ersten Sonnenbrand habe ich auch schon im Gesicht (zu meiner Verteidigung: ich wusste nicht, dass wir zwei Stunden im Park in der Sonne sitzen, deswegen hatte ich mich auch nicht eingecremt und hatte auch nichts dabei!) und heute habe ich mich Coca kauend bei Interpol vorgestellt. Betäubt den Mund und hinterlässt ein gutes Gefühl. Verstehe überhaupt nicht warum das nur hier in Bolivien erlaubt ist.

Morgen fahren wir dann in die Einsatzstellen raus, das heißt für mich und meine drei Mitfreiwilligen in Puerto Quijarro ersteinmal 13 Stunden Busfahrt nach Santa Cruz und dann noch mal 11 nach Puerto Quijarro. Aber mit einem Beutel Coca im Gepäck kann mich nichts stoppen!

Ich weiß nicht wann ich das nächste Mal Internet habe, aber ich versuche so bald wie möglich ein Lebenszeichen von mir zu geben.

Bis dahin Hasta luego

Eure Laura

P.S.: Bilder folgen wenn ich mehr Zeit zum hochladen habe, ich leihe mir gerade den Laptop einer Freundin! 🙂

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