Das Leben in Puerto Quijarro hat begonnen

Jetzt kann ich endlich sagen, dass ich in meiner neuen Heimat für das nächste Jahr angekommen bin: Der kleine aber feine Ort Puerto Quijarro ganz im Osten Boliviens. Am Mittwoch Abend begaben wir uns zum Busbahnhof in Sucre und waren leicht geschockt, dass wir Übergepäck bezahlen mussten für die Fahrt nach Santa Cruz (alle Busverbindungen nach Puerto Quijarro gehen über Santa Cruz, deswegen sind wir nicht direkt von der Hauptstadt nach Quijarro gefahren). Lustigerweise mussten wir auf der Hinfahrt nicht extra für unser Gepäck bezahlen, da ist also irgendetwas schief gegangen oder aber auch: Wir wurden abgezockt. Nunja.
Die Busfahrt aus Sucre raus war ziemlich rumpelig. Der Busfahrer muss eigentlich permanent bremsen, es geht nur bergab. Um uns herum die Anden. Mir ist ziemlich übel geworden, aber dank Reisetablette bin ich dann schnell eingeschlafen und hab auch die meiste Zeit der Fahrt durchgeschlafen. Außer zur ersten Pinkelpause. Die erste Pause ist immer bei einem Restaurant mit Toilette, so gegen 22.00 Uhr oder 22.30 Uhr. Die zweite Pause hingegen, meistens gegen 2 oder 3 Uhr nachts, ist immer irgendwo in der Pampa oder in einem sehr, sehr kleinen Ort. Auf jeden Fall bin ich bei der ersten Pause mit ausgestiegen und habe mit Abstand das schlimmste Klo meines Lebens gesehen und benutzt. Ich will eigentlich gar nicht näher ins Detail gehen, sonst habe ich sogleich wieder den Geruch in der Nase…
Früh morgens sind wir dann in Santa Cruz angekommen und mit dem Taxi ins Hostel Jodanga gefahren. Da die Flotas hier immer erst abends abfahren, können wir den Tag im Hostel verbringen, wir haben zwar kein Zimmer, aber dort kann man sich toll aufhalten. Das Frühstück ist sehr lecker, es gibt öffentliche Duschen (alles sehr sauber) und W-Lan. Der Tag war dann bisher der entspannteste, den ich bisher hier in Bolivien verbracht habe: Wir lagen am Pool im Hostel, haben Cocktails geschlürft, Karten gespielt und uns endlich mal ausgeruht. Es war echt klasse.
So, abends kam dann Nacira (unsere Anprechpartnerin von Hostelling) und hat die wichtigsten Dinge mit uns besprochen. Unter einigem Stress ging es dann zum Busbahnhof (ich habe meinen Schutzsack für meinen Rucksack im Hostel wiedergefunden – Juhu!) und los nach Puerto Quijarro. Diese Busfahrtstrecke ist sehr angenehm! Keine Berge, kein holpern und kein Übelgefühl. Dafür leider schnarchende Bolivianer hinter, vor und rechts von mir.

Aber dann, um 6.00 Uhr früh – endlich Ankunft hier in Quijarro! Erster Eindruck: bessere Luft als in Sucre (die Abgase waren richtig schlimm), sehr viel kleiner und auch arm. Nach ein paar bangen Minuten des Wartens wurden wir dann von Tatiane und ihrem Mann Alfredo in ihrem Retro Mini Käfer abgeholt, allerdings passte natürlich unser Gepäck nicht in deren Auto, sodass wir wieder ein Taxi beordert haben. Tatiane ist unsere „Gastmama“ und Alfredo unser „Gastpapa“ im weiten Sinne. Sie haben ein sehr schönes Haus an einer ruhigen (natürlich unasphaltierten) Straße. Es ist giftgrün gestrichen und die Familie ist für die Verhältnisse hier sehr, sehr wohlhabend. Tatiane ist Lehrerin und Alfredo der Direktor des Busunternehmens hier in Quijarro. Man kommt auf den Hof des Hauses durch ein quitschendes Tor und rechts ist dann unser Bereich des Hauses. Wir haben eigentlich alles was das Herz begehrt: Eine Küche mit großem Kühlschrank und Gasherd (damit kenne ich mich ja bestens aus 🙂 ), eine kleine, vollkommen mit Moskitonetzen umspannte Terasse mit Tisch, zwei Hängematten und Spiegel, ein kleines Badezimmer (immer mit kaltem Wasser duschen) und zwei Schlafzimmer. Eileen und Anna schlafen in dem Zimmer mit zwei Hochbetten, dass nur ein Fenster in die Küche raus hat. Mareike und ich haben folglich das andere Zimmer mit zwei Einzelbetten. Beide Zimmer sind blau gestrichen und Mareike und meins hat eine sehr hohe Decke, was mich an zu Hause erinnert und das freut mich. 🙂 Man ist eigentlich die ganze Zeit über draußen, da an den Fenstern keine Scheiben, sondern nur die Moskitonetze sind, aber das ist ein tolles Gefühl.
Wir haben auch eine Kommode und mehrere Regale, so müssen wir gottseidank nicht aus dem Koffer leben wie manch andere unserer Freiwilligen Kollegen in den Einsatzorten hier in Bolivien.
Auf dem Hof waschen wir unsere Wäsche in einem mehr oder weniger mittelgroßen Waschbecken und nach spätestens drei Stunden auf der Leine ist die Wäsche auch schon wieder trocken. Ansonsten leben wir noch mit unseren Gastbrüdern Alejandro und Alfredito hier. Alejandro ist bei der Marine und studiert ab Januar in Santa Cruz. Alfredito ist vier Jahre alt und unter der Woche in einer Ganztagsbetreuung.
Zwei Papageien, die sich glücklicherweise nur selten äußern, leben im Käfig vor unserer Veranda. Und außerdem, was mich sehr, sehr glücklich macht: Jolina, eine trächtige Katze, mit der ich mich gleich angefreundet habe. Und dann haben wir auch noch bald Katzennachwuchs! 🙂

Wie waren denn jetzt die ersten beiden Tage hier in Quijarro?
Jetzt ist ja noch Frühling hier, es ist also noch nicht so warm. Oder irgendwie doch. Ich sitze hier am Laptop und schwitze aus jeder Pore, obwohl ich eigentlich nichts mache. Es wird aber auch irgendwie jeden Tag wärmer hier. Nach dem Ankommen haben wir erstmal ausgepackt und uns ein Zuhause eingerichtet. Dann ging es an den Hausputz, denn die vorigen Freiwilligen sind ja schon ein paar Wochen weg und wegen der Straße staubt hier alles extrem schnell ein. Demasidao seco – zu trocken.
Später haben wir dann etwas eingekauft in einer kleinen „Tienda“ – Geschäft, beziehungsweise Tante Emma Laden, gibt es auch hier an jeder Ecke, auch direkt neben unserem Haus. Sonia, die Schwägerin von Alfredo, unserem Gastpapa, betreibt so eine Tienda direkt nebenan, dort können wir immer schnell unsere 20 Liter Wasserkanister holen (für 13 Bolis, ungefähr 1,70 Euro). Ansonsten habe ich noch Wäsche gewaschen und abends haben wir Nudel gegessen und uns ziemlich früh hingelegt. Es ist um 18.00 Uhr eigentlich schon richtig dunkel und so richtig bin ich noch nicht in dem Rhythmus, deswegen werde ich sehr schnell müde. Aber wir haben alle sehr gut geschlafen, in der ersten Nacht hier in Puerto Quijarro.

Samstag haben wir dann gelesen, in unseren Hängematten gedöst, Vokabeln gelernt und abends sind wir mit Tati, der Gastmama, nach Puerto Suarez, dem Nachbarort gefahren. Dort gibt es einen Supermarkt und da haben wir uns ersteinmal eingedeckt. Das Essensgeld von umgerechnet 130 Euro wird aber wahrscheinlich niemals reichen!
Die zweite Nacht hier war sehr laut, irgendwie lief die ganze Nacht Musik und heute Morgen hat Alfredito schon um 7.00 Uhr extrem laut das Kinderprogramm geschaut. Man hört hier einfach alles im Zimmer.
Naja, heute Abend sind wir von Tati zum Essen eingeladen und morgen ist dann der erste Arbeitstag, ich bin sehr, sehr gespannt, wie es wird!

Nun werde ich fröhlich weiter schwitzen.

Hasta luego
Eure Laura

P.S.: Bilder kann ich von hier leider nicht hochladen, dafür reicht die Internetverbindung nicht. Aber in zwei Wochen lade ich welche in Santa Cruz hoch, versprochen!

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