„Pujllay“ – incluso Evo baila!

Wochenendausflug nach Tarabuco: Vor zwei Wochen setzte ich mich in die Flota (Bus) und begab mich nach Tarabuco, einem kleinem Dörfchen ungefähr eine Stunde von Sucre entfernt. Die anderen drei Freiwilligen aus Deutschland die dort leben, haben uns eingeladen sie an diesem Wochenende zu besuchen, denn Pujllay ist das größte Fest in Tarabuco. Es findet jedes Jahr am dritten Märzwochenende statt, zur Ehrung einer wichtigen Schlacht gegen die Spanier, die in Tarabuco im Unabhängigkeitskrieg gewonnen wurde.

Tarabuco ist ein schönes und ruhiges Dörfchen inmittten der Anden. Im Gegensatz zu Puerto Quijarro ist es richtig kalt und ich habe das ganze Wochenende eine Gänsehaut am Körper gehabt, woran ich überhaupt nicht mehr gewöhnt bin. Der plötzliche Klimaumschwung muss der Körper erstmal jedes Mal verkraften.

Am Samstag fanden in einer großen Festhalle Konzerte statt. Von abends um 20.00 Uhr bis tief in die Nacht hinein klangen die bolivianischen Klänge (Gitarren, Panflöten, schiefe Gesänge) in den Nachthimmel. Schön zum tanzen natürlich – nach einigen Stunden hat es mir aber gereicht. Es wäre schön gewesen, wenn auch neue europäische oder amerikanische Lieder dabei gewesen wären, schließlich strömen Touristen aus allen Ländern jedes Jahr zum Pujllay und das Dorf quillt quasi über. Leider sind die Bolivianer was Dienstleistungen angeht noch nicht so auf dem aufsteigendem Pfad.

Sonntag war dann das eigentliche Fest. Schon früh am Morgen begannen die desfiles, die Umzüge der Tanzgruppen. Sie hatten alle ähnliche Kostüme mit ganz besonderen Schuhen, die ein klirrendes Geräusch beim auftreten gemacht haben. Auf einem großen Platz etwas außerhalb gab es zahlreiche Essensstände, viel Bier, eine große Bühne und eine ganz besondere Konstruktion: Ein Turm behangen mit allerlei Lebensmitteln. Käse, Milch, Gemüse, Früchte, Süßigkeiten und tatsächlich Teile einer toten Kuh. Ich frage mich wie lange das dort in der prallen Sonne hing, denn irgendwann muss das doch schrecklich anfangen zu stinken. Auf jeden Fall ist dieser Turm Tradition vom Pujllay und soll Dankbarkeit symbolisieren.

Auf diesen Platz kamen nach und nach die einzelnen Tanzgruppen und während wir noch darüber diskutierten, dass Evo Morales Ayma, Boliviens Präsident, dieses Jahr ganz sicher nicht zum Pujllay kommt, strömten plötzlich alle Menschen zu einer eintreffenden Tanzgruppe und zückten ihre Kameras. Wie jedes Jahr tanzte Evo im pinken traditionellen Kostüm enthusiastisch mit! Sogar Evo tanzt, wie es in der Überschrift heißt. Dabei habe ich mir Angela Merkel vorgestellt, wie sie in einem solchen Kostüm tanzen würde. 😀

Die Fiesta ging noch den ganzen Tag weiter, allerdings war mir die Sonne zu stark an dem Tag und es gab kaum Möglichkeiten zum Unterstellen. Aber es war toll sich mit der großen Freiwilligengruppe zu treffen und sich über die letzten Wochen auszutauschen. Das Zwischenseminar ist ja jetzt nun auch wieder eine Weile her.

Auf dem Rückweg nach Puerto Quijarro stand mir noch einiges bevor: Wegen Transportblockaden (die es beinahe wöchentlich in diesem Land gibt) fuhr der Bus eine andere Strecke nach Santa Cruz. Wir blieben nachts mehrmals stecken und die Männer im Bus mussten im Matsch den Bus anschieben (vielen Dank an sie!). Drei Stunden fuhren wir dann eine Strecke direkt am Abhang entlang, schlammige, rutschige Straße und vor uns ein Bus, der beinahe in die Schlucht gestürzt ist. Ich war einfach so froh heile in Santa Cruz angekommen zu sein, wenn auch 10 Stunden später als gedacht.

Bolivien ist rau, alles andere als modern und in solchen Fällen auch gefährlich!

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Der Turm voll mit Lebensmitteln

Tanzgruppen

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Die Schuhe, die alle Taenzer getragen haben. Bequem sind sie bestimmt nicht, aber sie sehen toll aus und die Geraeusche, die die Taenzer damit erzeugen gehoeren zu dem traditionellem Tanz.

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Evo Morales Ayma, Boliviens Staatspraesident (genau in der Mitte)

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Eine weitere Attraktion auf dem Pujllay: Die Figuren aus Ice Age, mit denen Kinder gegen Geld Fotos machen koennen. Die Frau rechts im Bild ist gerade dabei mich zusammen zu schimpfen, da ich natuerlich unerlaubt Fotos gemacht habe.

Strassen in Tarabuco

Und unser Weg zurueck – schlammig, matschig und von zahlreichen Stopps gekennzeichnet

Die Leute aus dem Bus, der beinahe abgestuerzt waere – sie mussten zu Fuss weiter gehen

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Mittlerweile wird ein Tunnel gebaut, damit die Fahrzeuge nicht mehr die gefaehrliche Strecke ueber den Berg nehmen muessen.

Bis bald – Hasta luego

Eure Laura!

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