Fiesta vs. Siesta

Heute auf den Tag bleiben mir noch 84 Tage in Bolivien. Wenn ich mir überlege wie lange ich schon hier bin – beinahe 9 Monate – kommt mir das gar nicht mehr lange vor. Die Tage hier vergehen wie im Flug und ich glaube ich habe noch gar nicht richtig realisiert, dass ich bald allem hier Adios sagen muss.

Was kann ich spannendes über die letzten beiden Monate sagen? Geprägt waren sie – wie in der Überschrift erwähnt – von Fiesta und Siesta. Dia del padre (Tag des Vaters), Dia del mar (Tag des Meeres), Dia del niño (Tag des Kindes), das sind nur einige von den Feiertagen die im März und im April stattfanden. Die Bolivianer haben für  so gut wie alles einen Feiertag und meistens findet dann keine Schule statt, sondern es gibt irgendein bestimmtes Programm oder ähnliches. Am Tag des Vaters haben die Kinder einen Tanz aufgeführt und zahlreiche Plakate zu Ehren ihrer Papas gebastelt. Tag des Kindes war auch sehr amüsant, die Lehrer haben in albernen Kostümen mit den niños auf dem Schulhof getanzt, ich war eine Mücke. Zum Beispiel wurde zu meiner Darbietung ein Text vorgelesen, wie man sich vor Mücken schützen kann, da der Zika Virus ja gerade in Bolivien ein großes Thema ist und Dengue besonders hier, wo es sehr feucht ist, jedes Jahr ein Risiko darstellt. Überträger von Dengue Fieber breiten sich schnell im Wasser aus, sprich, Eimer mit herumstehendem Wasser oder auch Reifen oder anderer herumliegender Müll begünstigt die Fortpflanzung dieser Mücken.

Ich mit meinen selbstgemachten Mueckenfluegeln

Die dekorierten Klassenraeume

DSCI1360

Die Jungs haben die Minion Becher bekommen und die Maedchen die Barbie Becher – prall gefuellt mit allerlei Suesigkeiten. Die Muehe hat sich eine Mama gemacht und alles gebastelt.

Auf dem Schulhof

Zwei Clowns haben mit den Schuelern getanzt

DSCI1374

Auch die anderen Lehrer haben sich verkleidet

 

DSCI1389

Und jeder Kurs hatte natuerlich auch wieder eine dicke, leckere Torte

 

Am Dia del mar war ich gerade in Sucre und habe einen Umzug der Schüler gesehen. Hier in Quijarro gab es einen solchen auch. Mich hat ein bisschen geschockt, dass die sehr jungen Schüler in Militär Uniformen herumgelaufen sind, mit Spielzeugwaffen und Kriegsbemalung. Alle haben Plakate hochgehalten mit Sprüchen wie „Queremos nuestro mar!“ – Wir wollen unser Meer! Seien wir mal ehrlich – es ist nicht sehr realistisch, dass Bolivien den Teil von Chile zurückerhält, den es im Salpeterkrieg im 19. Jhd. verloren hat. Erstmal ist das fast über 150 Jahre her und außerdem hat Bolivien mit Chile ein Abkommen, dass es die Häfen im Norden für Handel nutzen kann. Trotzdem ist das Verhältnis zwischen Bolivien und Chile sehr kühl (Spruch von meinem Gastvater: „Einen peruanischen Freund kannst du dir suchen, aber komm ja nicht mit einem aus Chile nach Hause!“) Seitdem Bolivien im März 2010 die Sache vor den internationalen Gerichtshof gebracht hat, haben sich die Beziehungen nochmal verschlechtert, denn Chile schließt eine Gebietsabtretung kategorisch aus. Eine diplomatische Lösung scheint nicht in Sicht. In der Schule habe ich ein Buch bekommen, ein Kinderbuch über Boliviens Geschichte mit dem Meer. Die Lehrer meinten zu mir, dass ich dann in Deutschland darüber erzählen kann, aber wie man schon gemerkt hat, habe ich darüber eine andere Meinung als die meisten Bolivianer. Einige Sätze aus diesem Buch:

„El mar que pedimos por justicia, es un mar para los pueblos…“ – Das Meer, um welches wir von Gerechtigkeit wegen bitten, ist ein Meer für unsere Dörfer… (Evo Morales Ayma)

„Nacimos con Mar y al Mar volveremos“ – Wir sind mit dem Meer geboren und werden zu ihm zurückkehren.

„Borremos la guerra del Pacífico del futuro de nuestros hijos.“( (David Choquehuanca) – Wir lassen den Pazifik-Krieg aus der Zukunft unserer Kinder verschwinden.

Ich weiß nicht, aber ich finde, wenn Deutschland jetzt plötzlich Teile von Polen wieder haben will – das würde genauso viel Sinn machen wie Boliviens Anspruch auf das Meer.

Die letzte Woche war es für die hiesigen Verhältnisse richtig kalt, tagsüber 20 Grad und nachts 12 bis 15 Grad. Das kann nachts ganz schön kalt werden so ganz ohne Fensterscheiben. Auch kann man dann tagsüber nicht so schön draußen sitzen, das ist einfach unangenehm. Jetzt haben wir wieder schöne 33 Grad, das ist genau richtig, nicht zu kalt und nicht zu warm. Ich hoffe sehr, dass sich das Wetter die nächsten Wochen hält aber es sieht ganz gut aus, denn schließlich ist hier gerade Winter. Das relativ kuehle Wetter haben wir fuer eine kleine Wanderung auf einen nahegelegenen Berg genutzt von dem man eine tolle Aussicht auf Quijarro und den Pantanal hat.

DSCI1446

DSCI1454

Anna beim Zitronen pfluecken – aus denen haben wir spaeter einen Pudding gemacht

 

Vom Fitnessstudio aus haben wir an einem Sonntag Abend mit auf der Plaza Aerobic getanzt, es kam wohl sehr gut an, da wir es demnaechst auch im Nachbarort machen. Das Ziel ist es, die Leute zu mehr Sport anzuregen. Viele Leute haben mich die Tage danach angesprochen, ob mir denn nicht die Beine vom Tanzen weh tun. 🙂 T-Shirts vom Fitnessstudio haben wir auch bekommen.

IMG-20160425-WA0003

 

IMG-20160426-WA0009

DSCI1344

Viele Gruesse an alle meine Lieben zu Hause 🙂

Jetzt bleiben mir noch knapp 2 Monate zum Arbeiten hier und danach reise ich noch ein bisschen. Mann weiß ja nicht wann man mal wieder nach Südamerika kommt und die Chance zum Reisen hat. Disfrutando el tiempo! Die Zeit genießen 🙂

 

Eure Laura

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s